Meine (Simons) Berufung

Am 31.10.2017 zum 500. Jahrestag der Reformation von Martin Luther ging ich ins Bett und stellte meinen Wecker auf dem Smartphone auf 6:00 Uhr morgens. Ihr kennt das wahrscheinlich, mein Smartphone zeigt mir dann die Anzahl der Stunden an, die ich noch schlafen kann, bis der Wecker klingelt. Leider waren es nur noch weniger als sechs Stunden. Da ich glaubte, am nächsten Tag einen sehr langen und ereignisreichen Arbeitstag haben zu werden, legte ich mich gleich ins Bett mit dem festen Wunsch, schnell einzuschlafen. Oft schlafe ich innerhalb von einer Minute ein. Leider war das diesmal nicht der Fall – ich war quickfidel. Deshalb bat ich Gott, mir zu helfen, schnell einzuschlafen, damit ich für den morgigen Tag fit sei. Gott fragte mich daraufhin, ob ich nicht mit Ihm reden wolle, statt zu schlafen. Gott redet mit mir oft über eine leise innere Stimme – jene Stimme, die man im Trubel und Alltag leider allzu oft überhört. Mit der festen Überzeugung, dass es wichtig wäre, jetzt zu schlafen, verneinte ich die Einladung Gottes zur Konversation und bat wiederholt um ein schnelles Einschlafen.

Zu meinem Verdutzen, bot Gott mir einen „Deal“ an: „Du redest jetzt mit mir und ich sorge dafür, dass du morgen nicht müde bist“. Gesagt, getan – auf Gott kann man sich verlassen, wenngleich dieses Gefühl des unbedingten Schlafen-Wollens nicht ganz vergangen war.
Gott fing also an mit mir zu reden und Seine erste Frage begann Er folgendermaßen: „Stell dir vor, du bist 80 Jahre alt und schaust auf dein Leben zurück“ – ich malte dieses Bild vor meinem inneren Auge – „jetzt sage mir, für was willst du in deinem Leben gestanden haben, wenn du 80 Jahre alt bist? An was sollen Familie, Freunde und deine Mitmenschen zuerst denken, wenn sie an dich denken, für was möchtest du bekannt sein?“ Ich fing an über diese Fragen nachzudenken. Jetzt war ich hellwach! Ich stellte mir vor, mein jetziges Leben weiterzuführen, normaler Job, 40-45 Std. pro Woche Arbeit, mit Hin- und Rückfahrt ca. 10-11 Stunden pro Tag, wegen der langen Wochen und des zehrenden Jobs meistens ziemlich ausgelaugt zu sein am Wochenende, für die Finanzen der Familie zu sorgen (Wohnung, Auto, Essen usw. bezahlen), verheiratet zu sein, Kinder.

Die meiste Zeit brachte ich eigentlich für meinen Job auf, bei dem ich allerdings nicht das Gefühl hatte, großartig Reich Gottes zu bauen. Das extrapolierte Bild meines jetzigen Zustandes über die nächsten 47 Jahre war also bescheiden für mich. Ich konnte nicht erkennen wie Menschen als erstes Attribut an mir einen Charakter Jesu oder einen Einfluss für das Reich Gottes ableiten konnten. Die Frage Gottes bewegte mich sehr: An was sollen Mitmenschen zuerst denken, wenn sie an mich und mein Leben denken? Ich wusste es nicht. Das was ich gerade in meinem Leben sah, war nicht mein Ziel, aber es gab auch nichts, was mir so im Herzen brannte, dass ich es einfach als Ziel hätte setzen können. Daher wendete ich mich wieder an Gott, um Seine Fragen zu beantworten: „Ich weiß es nicht. Hilf mir. Für was möchtest du, dass ich mit meinem Leben stehe?“ Schneller als erwartet, kam die Antwort: „Ich möchte, dass du ein ‚Faith Mover‘ (Glaubens-Beweger) wirst und das Glaubenslevel meiner Gemeinde anhebst. Meine Gemeinde muss mehr im Glauben wandeln, um die nächste Zeit zu überstehen.“ Die Worte hallen immer noch in meinem Kopf… Glaubenslevel anheben… nächste Zeit überstehen…

Gottes Berufungen übersteigen immer das rein menschlich Machbare. Wenn wir also Seine Berufung für uns erfüllen möchten, führt Er uns in eine gesunde Abhängigkeit zu sich. Ich fühlte mich nicht gerade wie jemand, der stetig im Glauben wandelte, denn viele Sachen verarbeite ich mit meinen fünf Sinnen. Dementsprechend begann ich mich zu fragen: Wie hebt man überhaupt ein Glaubenslevel an?

Nach dem Gespräch über die Berufung und einer kurzen Weile des darüber Nachsinnens, schlief ich schließlich ein. Übrigens hat Gott Sein Wort gehalten und ich war am nächsten Tag tatsächlich nicht müde.

Gott hatte in den letzten 2-3 Jahren oft zu mir gesprochen, ich solle mich mit dem Thema „Glaube“ in der Bibel befassen, aber ich hatte nicht damit begonnen. Jedes Mal hatte ich bereits Schwierigkeiten, wenn ich nur die biblische Definition über Glauben in Hebräer 11,1 laß. Das Gelesene entsprach nicht gerade meiner Definition von „einfach zu verstehen“. Dass ich heute über Hebräer 11,1 lehren kann, zeigt mir zwei Dinge: ich war endlich gehorsam, mich mit dem Thema „Glaube“ zu beschäftigen. Gott war treu, mir mehr von Seinem Wort aufzuschlüssen. Letzteres natürlich nicht ausschließlich für mich, sondern um es mit anderen zu teilen. Als ich 2019 lehrte, kam im Anschluss ein Teilnehmer auf mich zu mit der Bitte um ein Gespräch beim Mittagessen. Er sagte, ich würde das Thema „Glaube“ einfach verständlich und zugänglich machen. Das zu hören, erfüllte mich mit Freude, denn ich realisierte, endlich mehr und mehr in meine spezielle Berufung hinein zu wachsen.

Seit ca. 2017 studieren meine Frau Monja und ich nun das Thema „Glaube“ und wissen, dass es noch viele Schätze zu entdecken und zu teilen gibt. Mit dem Teilen der ersten Schätze haben wir Ende 2020 mit dem „Glaubenshelden“ Projekt begonnen.

 

Bedeutung für deine Berufung

Welche Frage könnte für dich nun relevant sein, nachdem du dir meine Berufung durchgelesen hast? Es gibt bei dem Thema „Berufung“ Dinge, die eine Allgemeingültigkeit haben und daher auch für deine Berufung zutreffen können.

Nachdem ich mir Eigenschaften meiner Berufung angeschaut habe, konnte ich daraus Attribute ableiten, die auch für deine Berufung und Vision mit Gott relevant sind. Ich glaube zudem, dass eine persönliche Berufung von Gott auch dann kommt bzw. offenbar wird, wenn Du bereits das tust, was Er in Seinem Wort jedem Gläubigen als Auftrag (Evangelium weitergeben, Jünger machen, Dienen etc.) gegeben hat oder anders ausgedrückt, wenn Du in dem wandelst, was du von Gott verstanden hast und Er dir offenbart hat.

  • Wachstum:

    Deine Berufung von Gott ist so groß, dass du dein ganzes Leben in sie hineinwachsen kannst. D.h. auch, dass du momentan nicht alles weißt, was Du wissen solltest, um deine Berufung zu erfüllen. Du erhältst mehr und mehr (Wissen und Ressourcen), wenn du täglich daran arbeitest und Fortschritte mit Gott erzielst. Dein Wachstum endet, wenn du am Ende deines Lebens zum Herrn gehst, jedoch nicht früher. Du erhältst die notwendigen Ressourcen, während du im Glauben vorangehst. Genau das ist auch der Unterschied zwischen einem Ziel und einer Berufung. Ein Ziel hat ein definiertes Ende, eine Berufung nicht.

 

  • Für andere:

    Deine Berufung hat mit anderen zu tun. Erfolg hat in erster Linie dich im Fokus, also z.B. deine Karriere, ein höheres Gehalt, mehr Ansehen etc. Bei deiner Berufung dreht es sich allerdings nicht um dich selbst, sondern darum, ein Leben mit Bedeutung zu leben. Der Unterschied zwischen Erfolg und Bedeutung ist, dass sich Erfolg auf dich selbst bezieht, wohingegen Bedeutung darauf abzielt, was du für die anderen, deine Geschwister im Glauben und deine Mitmenschen, tust. Es geht darum, dein Leben für andere niederzulegen.

 

  • Eine BerufUNG – nicht ein Beruf:

    Was motiviert und begeistert dich, treibt dich an, spornt dich dazu an, dich selbst neu zu erfinden, in deinem Charakter zu wachsen und das beste „Du“ zu werden, das du sein kannst? Das sind Kernfragen im Zusammenhang mit Berufung. Ein Zeichen, woran du merkst, dass du in deiner Berufung angekommen bist, ist, wenn du morgens nicht primär wegen deinem Wecker aufstehst, sondern weil deine Berufung wartet, an der du weiterarbeiten möchtest. Es gibt so viele Menschen, die ihren Beruf als Schmerz empfinden und ihr monatliches Gehalt als Schmerzensgeld. Nur du allein kannst aktiv etwas daran ändern. Bereiche, in denen du eine Begabung Gottes hast, sind meistens jene Bereiche, in denen du einfach Erfolge erzielst, die Zeit schnell vergeht und Du dich einfach richtig und angekommen fühlst – wie ein Fisch im Wasser.

 

  • Nicht allein:

    Deine Berufung ist zu groß, um sie als Einzelkämpfer zu bewältigen. „Eins“ ist eine zu kleine Zahl, um etwas Großes zu erzielen. Du brauchst andere, die mit anpacken und mit dir auf dem Weg sind. Das bedeutet nicht, dass du am Anfang nicht ganz auf dich allein gestellt sein kannst (Jesus ist sowieso immer mit dir). Aber vielleicht hast du keine irdische Hilfe. Du solltest trotzdem voran gehen! Die notwendige Versorgung, Ressourcen und Mithilfe warten an der nächsten Ecke auf dich, denn Gott ist treu.

 

  • Veränderung:

    Deine Berufung hat mit Veränderung und Fortschritt zu tun; etwas wovor die meisten Menschen Unbehagen empfinden. Immer wieder wird der aktuelle Status Quo verändert – das nennt man auch im Glauben wandeln. Genau dazu bist du berufen und du bist nicht allein – Gott ist mit dir – allezeit.

Mit Gott kannst du ein Glaubensheld in deiner Welt sein! Vertraue Ihm.